Rückblick auf meine Delfintherapie

NicoNun sind wir schon wieder seit einer Woche von meiner Delfintherapie auf Curaçao daheim. Meine Mama und mein Papa haben einen Bericht über unsere Reise und meine Delfintherapie geschrieben. Hier ist er:

10 Tage Delfintherapie – was heisst das? Los ging’s am späten Nachmittag des 11. Januar. Um Nico nicht mitten in der Nacht aus dem Schlaf reissen zu müssen, fuhren wir schon am Vorabend des Abflugtermins nach Nürnberg zum Flughafen zum sogenannten „Vorabend-Check in“. Warum gerade der Flughafen in Nürnberg und nicht der in München? Ganz einfach: Die Fahrzeit ist für uns zu beiden Flughäfen in etwa gleich lang, aber wenn wir von München abgeflogen wären, hätten wir in Düsseldorf vier Stunden Aufenthalt gehabt. Außerdem sind am Nürnberger Flughafen die Wege kürzer, so ist zum Beispiel das Parkhaus direkt gegenüber des Terminals.

Nachdem der Check in erledigt war, gab’s noch eine Kleinigkeit zu essen und dann ging’s auf Hotelzimmer, das übrigens direkt gegenüber des Terminals lag. Auf diese Weise mussten wir nicht um zwei Uhr morgens aufstehen, sondern erst um fünf Uhr, um dann nur über die Straße zum Terminal gehen zu müssen.

Das Flugzeug, mit dem wir von Nürnberg nach Düsseldorf geflogen sind, war übrigens sehr klein und eng und wir haben ein wenig darüber gestaunt, dass es nach wie vor Propellermaschinen gibt. Etwa eine Stunde später waren wir in Düsseldorf, wo wir wegen dem gebuchten Rollstuhlservice direkt am Flugzeug abgeholt und mit einem Spezialfahrzeug zum Flughafengebäude gebracht wurden. Dort ging’s dann auf direktem Weg zur Sicherheitskontrolle, bei der auch Nicos Rollstuhl ganz genau auf Spuren von Drogen und/oder Sprengstoff untersucht wurde. Kurz darauf begann dann auch schon das Boarding für den Flug nach Curaçao. Jeder, der schon mal geflogen ist, weiss wie so ein Langsteeckenflug ist. Bei uns kommt noch dazu, dass Nico während der gesamten Flugzeit – das sind von Düsseldorf bis Curaçao etwa zehn bis zehneinhalb Stunden – beschäftigt werden will. Der Gedanke, er würde im Flugzeug mal schlafen, ist zwar sehr schön, bleibt aber ein frommer Wunsch. Zwischendurch muss er dann gewickelt werden, was in der Enge des Flugzeuges für niemanden wirklich angenehm ist. Letztlich haben wir’s aber dann doch wieder geschafft und kamen bei etwa 30 Grad Außentemperatur auf Curaçao an. Als wir endlich aus dem Flughafengebäude raus waren, konnten wir das gebuchte Taxi leider nirgendwo entdecken. Glücklicherweise sind die Leute auf Curaçao sehr hilfsbereit und riefen sofort beim zuständigen Taxiunternehmen an. Leider war das Telefon dort nicht besetzt, sodass sich langsam aber sicher ein wenig Verzweiflung breit machte.

Plötzlich sprach uns eine Frau an und gab sich als unsere Taxifahrerin zu erkennen. Sie sagte, sie sei von dem ursprünglichen Taxiunternehmen beauftragt worden, uns zu unserem Appartement zu fahren, weil man wohl zu wenig Fahrer zur Verfügung hatte. Puuuh… endlich raus aus der Hitze und rein in ein klimatisiertes Großraumtaxi, das erstens einen Rollstuhllift am Heck hatte und zweitens dadurch auch groß genug war und genügend Platz für uns drei, Nicos Rollstuhl und das gesamte Gepäck hatte. Und unser Gepäck war nicht gerade wenig, da wir für den gesamten Aufenthalt genügend Kleidung für Nico und uns selbst, viele Dinge für die Küche und zum Kochen, genug Windeln für Nico und letztlich auch Nicos Walker halb zerlegt in einem Extra-Koffer dabei hatten, damit er auch auf Curaçao das Gehen üben konnte.

In unserem Appartement angekommen, richteten wir uns erstmal einigermaßen häuslich ein, um anschließend zum CDTC zu gehen und „hallo“ zu sagen sowie ein paar Mitbringsel wie zum Beispiel deutsches Brot dort abzugeben und als wichtigsten Punkt natürlich, um die Delfine wiederzusehen.

Nachdem sich der Jetlag bei uns Dreien etwas gelegt hatte, ging’s dann am Montag mit Nicos Delfintherapie los. Für Nico bedeutete das schon fast Stress. Am Vormittag ging’s ins CDTC, wo er zunächst Physio- und/oder Ergotherapie hatte. Anschließend ging’s zu den Delfinen. Dabei darf man nicht vergessen, dass das Meer auf Curaçao um diese Jahreszeit nicht gerade warm ist, was man an den Neopren-Anzügen mit den langen Ärmeln gut erkennen kann. Geht man ins Wasser, dann bleibt einem aufgrund der Temperatur erstmal die Luft weg. Was man außerdem nicht unterschätzen darf, ist die Tatsache, dass Nico nicht gefragt wird, ob er das Ganze überhaupt machen will oder ob er keine Lust dazu hat. Genau genommen wird er dazu gezwungen, seine gewohnte Umgebung zu verlassen, Therapien mit wildfremden Menschen zu machen und im Wasser selbst zwangsläufig seinem Therapeuten sehr nahe zu sein, der ihn ja halten muss. Glücklicherweise hatte Nico wieder den gleichen Therapueten wie beim letzten Mal – er und Sebastian kannten sich schon. Ob Nico Angst vor den Delfinen hat, weiss man ebenso wenig und letztlich kann er es auch niemandem sagen. Nico muss alles mit sich allein ausmachen und kann sich im wahrsten Sinne des Wortes seinen Frust und seinen Ärger und seine Sorgen nicht von der Seele reden, so wie wir das können.

Bewundernswert fanden wir, dass Nico nach jedem Mittagessen seine ganz persönliche Auszeit haben wollte und sie sich dann auch wie selbstverständlich genommen hat, indem er gleich nach dem Essen ins Bett wollte – nicht um zu schlafen, sondern einfach um seine Ruhe zu haben. Nach zwei Stunden war er dann meist wieder fit und voll da. In solchen Situationen wird einem bewusst, was Eltern ihren Kindern antun, wenn sie eine Delfintherapie für ihr Kind haben möchten, die länger als zwei Wochen dauert. Das ist sehr viel mehr Stress, als man seinem Kind zumuten sollte.

Für den ersten Tag auf Curaçao hatten wir uns schon von Deutschland aus ein Auto gemietet, um die wichtigsten und größten Einkäufe für die kommenden zwei Wochen zu erledigen. Da wir nicht in einem Hotel wohnten, waren wir – angefangen vom Frühstück über das Mittag- und Abendessen – nämlich komplette Selbstversorger. Im Grunde war also alles fast wie zuhause, außer dass der nächstgelegene Supermarkt einen kostenlosen Shuttle-Bus anbot, der zwei Mal pro Tag vor dem Haus hielt.

Die ersten beiden Therapietage liefen noch etwas schleppend, aber dann hat sich alles gut eingependelt. Sebastian meinte, dass Nico insgesamt lockerer geworden ist und seine Beine wesentlich beweglicher sind. In den beiden Therapiewochen erhielt Nico täglich Physiotherapie, Ergotherapie und/oder Logopädie sowie eben die tägliche Therapie mit „seinem“ Delfin. Zwischendurch wurde dann auch die Vojta-Therapie ausprobiert, was er aber nicht so gut fand, und sich mit aller Kraft dagegen wehrte.

Insgesamt war es eine gute Delfintherapie für Nico und wenn man sieht, wie wohl er sich fühlt, wieviel Spaß ihm das Schwimmen und die Interaktion mit den Delfinen macht und welche Fortschritte er – auch noch lange nach der Therapie – macht, dann überzeugt einen das davon, dass es die Mühe wert war, die lange und nicht gerade sehr bequeme Reise nach Curaçao anzutreten und ihn buchstäblich ins kalte Wasser zu „werfen“, ohne dass man ihn in irgend einer Weise darauf vorbereiten konnte, was auf ihn zukam.

Uns bleibt letztlich nur die tiefe Dankbarkeit all jenen gegenüber, die uns in irgendeiner Weise unterstützten und hoffentlich auch weiterhin unterstützen, Nico dieses Erlebnis und die damit verbundenen Fortschritte in seiner Entwicklung zu ermöglichen.
Vielen Dank Euch allen!

Delfintherapie_2016